Keiko Shokon – Die Vergangenheit studieren, um die Gegenwart zu verstehen
Wado Lehrgang mit Bob Nash (USA), 7. Dan JKF Wadokai und Toby Threadgill (USA), Menkyo Kaiden, Takamura-Ha Shindo Yoshin Ryu Jujutsu vom 27.02. – 01.03.2010 in Berlin
Mehr als 170 Teilnehmer, darunter auch zahlreiche Gäste aus Ungarn, Finnland, den Niederlanden, Israel, Portugal, Spanien, Schweden und Serbien trainierten zwei Tage unter der Leitung von Toby Threadgill und Bob Nash in Berlin. Zudem nahmen an dem von Bob Nash geleiteten Trainertraining am Montagabend 40 Dan-Träger teil.
Toby Threadgill leitet einen der heute legitimen Zweige des Takamura-Ha Shindo Yoshin Ryu Jujutsu weltweit. Shindo Yoshin Ryu ist eine Entwicklung des Yoshin Ryu, dessen Gründer Mitte des 16. Jahrhunderts Yoshitioki Akiyama war. Die Tradition des Shindo Yoshin Ryu Jujutsu geht in der späten Edo-Periode auf Matsuoka Katsunosuke (1836 - 1898) zurück.
Bob Nash ist der Begründer des Wado Guseikai USA, das in der unmittelbaren Tradition von Hironori Otsuka (1892 – 1982) und in Verbindung mit Wadokai Japan (Japan Karate-Do Ferderation) steht.
Wado Ryu wurde von Hironori Otsuka gegründet und hat seine Wurzeln im Karate und im Shindo Yoshin Ryu. Die Ursprünge des Shindo Yoshin Ryu finden sich noch heute beispielsweise in den traditionellen Kihon Kumite 1 – 10 des Wado wieder. Ein wesentliches Ziel des Lehrgangs bestand darin, dieses Erbe des Wado aufzudecken und den Teilnehmern bewusst zu machen.
Das Training
Die einzelnen Trainingseinheiten begannen jeweils mit einem gemeinsamen Aufwärmen und einem konkreten Beispiel, in dem die Verbindung zwischen dem Shindo Yoshin Ryu und dem Wado aufgezeigt wurde. Anschließend wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen geteilt, die jeweils von Bob Nash und Toby Threadgill geleitet wurden. Hervorzuheben ist, dass trotz der großen Teilnehmerzahl während des gesamten Lehrgangs eine hohe Konzentration und eine gute Atmosphäre bestand.
Kuzushi: Antei Ho und Fuantei Ho
Toby Threadgill demonstrierte zunächst am Beispiel der ersten Bewegung aus der Kata Pinan Nidan, dass deren Ursprünge im Schwertkampf liegen und die hier zugrunde liegenden Prinzipien von Hironori Otsuka in das Wado übertragen wurden.
Eines der Prinzipien ist das von Antei Ho (starke, ausbalancierte Richtung) und Fuantei Ho (schwache, instabile Richtung). In der ersten Blockbewegung von Pinan Nidan behält der Verteidiger seine Balance (Antei Ho) und bricht die Balance des Angreifers (Fuantei Ho). Toby Threadgill betonte, dass es besonders wichtig sei, immer aus der Entspannung zu arbeiten und eine gute Grundhaltung einzunehmen. So sei es möglich, bei einem Angriff die Energie des Angreifers aufzunehmen und sie im Konter zu ihm zurückzuleiten. Grundsätzlich werde mit jeder Berührung eine Verbindung zum gesamten Körper des Partners hergestellt, er werde über diesen Kontakt kontrolliert und aus seiner Balance gebracht (Kuzushi). Bob Nash zeigte in den vergleichenden Übungen auf, dass Hironori Otsuka das Prinzip des Kuzushi in die Kata Pinan Nidan aufgenommen hat.
Maai und Tai sabaki
Am zweiten Tag des Lehrgangs ging Bob Nash am Beispiel von Kihon Kumite 1 auf die besondere Bedeutung des korrekten Maai (Abstand zum Partner) und Tai sabaki (Ausweichbewegung) im Wado auf. Auch hier konnte Toby Threadgill demonstrieren, dass Maai und Tai sabaki ursprünglich im Shindo Yoshin Ryu beheimatet sind.
Gemeinsam sind dem Shindo Yoshin Ryu und dem Wado möglichst kleine korrekte Ausweichbewegungen. Bob Nash wies darauf hin, dass die Fußarbeit im Wado ursprünglich vor allem vom Schwertkampf abstammt.
Die Schriftrollen
Am Sonntag hatten die Teilnehmer die außergewöhnliche Gelegenheit, einige der Schriftrollen des Takamura-Ha Shindo Yoshin Ryu im Original zu sehen. Diese Schriftrollen stammen aus der Zeit seit dem 17. Jahrhundert und enthalten das Erbe des Shindo Yoshin Ryu, aufgezeichnet von deren höchsten Vertretern, weitergegeben an ihre Nachfolger. Toby Threadgill ist im Besitz von 70 dieser Schriftrollen und präsentierte den Lehrgangsteilnehmern acht aus dieser Sammlung.
Keiko Shokon
Am Ende des Lehrgangs betonten Toby Threadgill und Bob Nash, dass es ihnen wichtig sei, das Erbe von Shindo Yoshin Ryu und Wado Ryu zu erhalten und zu vermitteln, dass Hironori Otsuka wesentliche Elemente des Shindo Yoshin Ryu in das Wado aufgenommen und so bewahrt hat. Die Teilnehmer waren sich einig, dass es ihnen gelungen ist: Der Lehrgang vermittelte die historische Verbindung von Wado Ryu und Shindo Yoshin Ryu und ermöglichte ein tiefer gehendes Verstehen des Wado und der Absichten von Hironori Otsuka.
Wiedersehen 2011
Am 26. und 27. Februar 2011 werden Toby Threadgill und Bob Nash wieder in Berlin sein.
Wir laden Karateka aller Stilrichtungen ein, an diesem Lehrgang teilzunehmen.
Christina Gutz
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